02.10.2014

„Google’s mission is to organize the world’s information and make it universally accessible and useful.“ – Google

Am letzten Samstag war es soweit: Google feierte Geburtstag und wir sagen nachträglich Happy Birthday! Genauer gesagt wurde Google 16. Seit dem 27. September 1998 nämlich ist die Suchmaschine unter dem heutigen Namen Google online. Mittlerweile ist Google längst nicht mehr nur eine Suchmaschine. Mit einem datierten Börsenwert von ca. 275 Mrd. Euro handelt es sich um eines der weltweit größten Unternehmen.

 

Geschichtlicher Abriss

Die ersten Suchmaschinen entstanden Mitte der 90er Jahre. Schon damals hatte das World Wide Web bereits eine Größe erreicht, die es seinen Benutzern nahezu unmöglich machte, die gesuchten Informationen sofort zu finden. Die Metasuchmaschinen WebCrawler, Lycos und Alta Vista waren die ersten größeren Suchmaschinen im Internet. Marktführer auf dem Gebiet der Suchmaschinen war lange Zeit Alta Vista, der bereits einen eigenen Index besaß. 1998 entwickelten dann die zwei Stanford-Studenten Larry Page und Sergey Brin die Suchmaschine Google. Grundlagen für den späteren Erfolg der Suchmaschine waren eine einfache, schlichte Benutzeroberfläche sowie eine bis dato unerreichte Suchgeschwindigkeit. Der Name geht im Übrigen auf den mathematischen Begriff „googol“ zurück (von Milton Sirotta 1938 erfunden, bezeichnet eine Zahl mit 100 Nullen). Die Gründer der Suchmaschine und des gleichnamigen Unternehmens Google Inc. wählten den Namen ihrer Suchmaschine in Anlehnung an die unvorstellbare Größe des World Wide Webs. Außerdem nutzte Google ein vorher nicht gekanntes Rankingkriterium, den PageRank. Dieser bewertet Webseiten aufgrund der Anzahl und Qualität der eingehenden Links und erwies sich als eine so „exakte“ Methode zur Bewertung der Relevanz von Webseiten, dass Googles Suchergebnisse qualitativ alle Konkurrenten übertraf.

Auch die anderen Suchmaschinen erkannten recht schnell, dass sich Googles neue Technologie durchsetzen würde. Da sich Larry Page und Sergey Brin den PageRank jedoch sofort patentieren ließen, blieb den anderen Suchdiensten wie Yahoo! und MSN keine andere Möglichkeit, als sich bei Google teuer einzukaufen. Heute ist Google absoluter Marktführer im Bereich der Suchmaschinen. Zählt man die Suchmaschinen noch dazu, welche ebenfalls Googles Index bzw. PageRank als Rankingkriterium nutzen, beträgt der weltweite Marktanteil von Google weit über 75%.

Mittlerweile hat aber zumindest der PageRank seine Bedeutung für die Suchmaschinenoptimierung weitestgehend verloren. Experten gehen davon aus, dass der Algorithmus von Google aus mehreren hundert einzelnen Kriterien besteht. Da Google mit über 90% Marktführer unter den Suchmaschinen in Deutschland ist, müssen bei der Website-Optimierung sehr viele Kriterien berücksichtigt werden.

Google versteht es zudem wie kaum ein zweites Unternehmen, sich selbst zu vermarkten. „Branding“ lautet das Zauberwort. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass selbst der Duden nicht an dem Wort „googlen“ vorbei kommt. Google ist längst keine bloße Suchmaschine mehr, sondern ein Unternehmen, welches in nahezu alle Bereiche expandiert. Egal ob das mobile Betriebssystem Android, der Webbrowser Google Chrome und Google Maps, der E-Mail-Dienst GMail oder auch das soziale Netzwerk Google+: dem Unternehmen gelingt es, immer wieder auf sich aufmerksam zu machen. Der ursprüngliche Gründungsgedanke, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein zugänglich und nützlich zu machen, spiegelt sich in allen heutigen Unternehmensaktivitäten wider.

Die Welt von Google

Heutzutage gehört Google Inc. zu den weltweit einflussreichsten Unternehmen. Dank eines Unternehmens-Marktwerts von mehr als 275 Milliarden Euro gehören auch die die beiden Gründer spätestens nach dem Börsengang im August 2004 zu den reichsten Menschen der Geschichte. Larry Page und Sergey Brin beschäftigen weit mehr als 50.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen Google Inc. betreibt weltweit 19 Rechenzentren, z.B. in Hamina am finnischen Meer oder in der Fabrikstadt Lenoir in North Carolina. Das neuste Rechenzentrum soll in Eemshaven in den Niederlanden in den nächsten Jahren entstehen. Um die Suchgeschwindigkeit zu optimieren, wird eine Suchanfrage wenn möglich immer an das nächstgelegene „ressourcensparende“ Rechenzentrum geleitet. Nur so können Antwortzeiten von wenigen Zehntelsekunden gewährleistet werden, ohne dabei die Energieeffizienz einer weltweit agierenden Suchmaschine aus den Augen zu verlieren.

Google in Deutschland

Etwa 3,5 Milliarden Suchanfragen beantwortet Google jeden Tag weltweit. 140 Millionen sind es allein in Deutschland. Damit laufen hierzulande mehr als 90 Prozent aller Suchen über den amerikanischen Internetkonzern, Tendenz steigend. Nur Yahoo und Bing kommen international auf Marktanteile von mehr als einem Prozent. Über 80% aller Smartphones laufen mit Googles Betriebssystem Android.

Google Produkte

Neben den klassischen Tools und Produkten (Google Bilder, Google Produktsuche, Google Scholar, Google Videos, Google Patents, Google Blogs, Google Goggles (mobile Bilderkennungs-Anwendung), Google+, YouTube, Google Play, Gmail, Google Earth usw.) gibt es auch Google Tools für Webmaster (bspw. Google Analytics und Google Webmaster Tools). Den Großteil des Umsatzes macht Google allerdings mit seiner AdWords Werbeplattform: 2013 waren das stolze 50.547 Millionen Dollar.

Das Unternehmen ist aber längst nicht mehr nur im virtuellen Bereich tätig. Was viele unter uns nur peripher mitbekommen: Seit Jahren baut Google Subunternehmen und Projekte auf. Fern ab von bekannten Projekten wie Google Glass befindet sich eine Vielzahl bedeutender Entwicklungen im Aufbau. Hauptverantwortlich dafür ist Google X.

Google X

Google X ist eine Forschungsabteilung von Google Inc. Das Forschungslabor liegt in der Nähe des Google-Campus im kalifornischen Mountain View. Der Name Google X ist ein Wortspiel, X steht dabei für das Unbekannte, sodass der Unternehmensname also Suche nach dem Unbekannten bedeutet. Chefforscher ist Google-Mitgründer Sergey Brin und aufgebaut wurde das Unternehmen von Sebastian Thrun, einem deutschen Robotikexperten. Damit wird bereits deutlich, wohin für Google die Reise gehen soll. Das Unternehmen wurde geschaffen, um die überaus ambitionierten Ziele der Google-Gründer umzusetzen. Larry Page möchte wie sein Vorbild Nikola Tesla als ein bedeutender Erfinder zum Fortschritt beitragen. Seine Philosophie hat er unter dem Begriff 10X Thinking zusammengefasst. Das soll bedeuten, es sei einfacher, alles zehnmal besser zu machen als nur 10 Prozent besser. Von Larry Page stammt das Statement: „Es gibt kaum Konkurrenz beim Erforschen technologischer Grenzen, weil niemand so verrückt ist, es zu versuchen“.

Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Projekte und Unternehmensfusionen:

Informationstechnologie und globalen Vernetzung

Faster

Ein Projekt, das sich mit dem Bau eines Transpazifik-Glasfaser-Systems befasst, um in Zukunft die USA und Asien besser verbinden zu können.

Project Link

Das „Project Link“ wurde von Google mit der Intention gegründet, Entwicklungsländer mit Glasfasernetzen auszustatten. In der Hauptstadt Ugandas beispielsweise wurde bereits mit der Verlegung von Glasfaserleitungen begonnen. Ziel ist es, vor allem Unternehmen dabei zu unterstützen, bessere Dienstleistungen via Internet anbieten zu können.

Google Loon

Ein weiteres Projekt, mit dem Google den weltweiten Internetzugang erweitern will. Vor allem ländliche und abgelegene Gebiete sollen künftig mit Hilfe eines Ballons am Rand des Weltalls mit Internet versorgt werden.

Google Fiber

Könnte in Zukunft zur Konkurrenz von lokalen Internet- und TV-Anbietern werden. Googles Ziel ist eine 100mal schnellere Breitbandgeschwindigkeit, als sie herkömmliche Provider aktuell anbieten. Man verspricht sich dadurch eine kristallklare HD-Bildwiedergabe, super schnelles Wi-Fi, Highspeed-Chatten und schnellere Videoabrufe. Die Bedienung soll über iOS- und Android-Endgeräte laufen. In Kansas City wurde bereits mit der Installation von Glasfaserleitungen begonnen. Experten rechnen allerdings damit, dass sich das Projekt Fiber aufgrund der hohen Endverbraucherkosten nicht rentieren wird.

Kunst und Kultur

Google Open Gallery

Mit diesem Projekt ist es möglich, Online-Ausstellungen mit Bildern, Videos, Audiodateien und historischen Dokumenten zu erstellen. Es ist für jeden frei zugänglich, der eine Ausstellung veröffentlichen möchte. Einzig die Angabe, für wen die Online-Ausstellung aufgebaut werden soll, ist Voraussetzung. Open Gallery ist ein Projekt im Rahmen des Google Cultural Institut, welches mit Museen auf der ganzen Welt zusammenarbeitet. Denkbar ist hier auch, dass Google Open Gallery eine Integration in Google Street View erfährt.

Google Night Walk

Eine nächtliche Stadtführung mit Audiokommentaren, Bildern und Videos als Erweiterung von Google Street View. Momentan existiert allerdings nur eine Führung durch Marseille. Ob und inwieweit das Projekt noch erweitert wird, ist noch nicht abzusehen.

Google World Wonders

Mit dieser Seite hat man die Möglichkeit, Infos rund um einzigartige kulturelle Plätze zu bekommen. Es ist ebenfalls eine Erweiterung von Street View mit Bildern und weiterführenden Informationen zu Ausstellungen und zur Geschichte.

Gesundheit

Googles Kontaktlinse für Diabetiker

Zurzeit arbeitet Google mit seinem Forschungszentrum Google X an Kontaktlinsen für Diabetiker. Die technische Raffinesse besteht darin, dass die Kontaktlinse einen Sensor und einen Wireless-Chip besitzt. Die anhand der Tränenflüssigkeit gemessenen Glucose-Werte werden dann an eine App gesendet. Google denkt des Weiteren über ein Frühwarnsystem nach, das durch integrierte LEDs Warnsignale abgibt, sobald die Blutzucker-Schwellenwerte unter- oder überschritten werden.

Wissenschaft

Lunar XPrize

Die Stiftung existiert bereits seit 2007 und ist ein von Google finanzierter Wettbewerb zwischen verschiedenen Ländern. Ziel ist es, bis 2015 mit einem Minimalbudget zum Mond zu fliegen und dabei die Landung mit Liveübertragung festzuhalten. Ebenso soll die kontinuierliche Erforschung des Mondes vorangetrieben werden.

Solve For X

Solve For X wurde ins Leben gerufen, um Lösungen für globale Probleme zu erörtern. Interessierte User haben hier die Möglichkeit, radikale Technikideen zu diskutieren. Verbunden ist die Seite mit Ted, auf der kostenlos Videos zum Thema Technik, Design und Unterhaltung zu sehen sind. Es ist vorstellbar, dass Google sich aus diesem Visionspool die eine oder andere Idee zum Weiterentwickeln erhofft.

Google Developers

Diese Seite ist besonders für Entwickler von Bedeutung. Man findet dort ebenso eine Auflistung aller Google Produkte und Apps.

Zudem gibt es noch eine Vielzahl an Projekten für Unternehmen in den Bereichen Marketing und Distribution wie Google GYBO, Google Full Value of Mobile, Google Partner oder Google Think

Google Ventures

Unter Google Ventures findet man eine Auflistung aller von Google gekauften Unternehmen. Die Liste beläuft sich bereits auf über 250 Unternehmen. Allein im letzten Jahr ist eine Vielzahl dazu gekommen.

Schon seit Jahren kauft Google nach und nach ein Unternehmen nach dem anderen, um seine Marktposition im digitalen Sektor auszubauen. Im Dezember 2013 wurde bekannt, dass der Internetriese acht Spezialfirmen aufgekauft hat, unter ihnen den Roboter-Hersteller Boston Dynamics. Damit wird offenbar in die Entwicklung von Google-Robotern investiert. Mit dem Aufkauf von Nest Labs für 3,2 Milliarden Dollar sorgte Google im Januar erneut für Schlagzeilen – nach Motorola (12,5 Milliarden Dollar) der zweitgrößte Google-Deal aller Zeiten.

Nest Labs

Mit dem Aufkauf des Thermostat- und Rauchmelderherstellers setzt Google auf den Trend zur Online-Vernetzung von Haushaltsgeräten. Interessant ist dabei, dass Google damit eine Firma übernimmt, deren Mitarbeiter ehemals ein erfolgreiches Designteam von Apple waren. Das Steckenpferd ist ein lernfähiger Heizungsregler. Ziel der Firma ist es, wichtige aber eher unbeliebte Haushaltsgeräte „neu zu erfinden“. Google gewinnt mit der Übernahme auch die Daten bereits installierter Geräte (beispielsweise den Kohlenmonoxidaustrittswert bei einer Scheibe verbrannten Toastbrots). Man sieht bereits, dass damit viele Informationen aus dem Haushalt der Menschen gesammelt werden (könnten). Sicherlich wird Google die Technologien von Nest Labs nach und nach auch auf andere Geräte übertragen und damit neben der Internetvernetzung zukünftig auch eine Vernetzung und Automatisierung von Haushalten anstreben.

Lift Labs

Im Bereich Life Science hat Google bereits 13 Firmen übernommen. Mit der Firma Lift Labs, die vor kurzem von Google übernommen wurde, brachte man 2013 den High-Tech-Löffel Liftware Stabilizer auf den Markt. Da Sergey Brins Parkinsonrisiko bei 50 Prozent liegt, hat er auch ein persönliches Interesse an dem Liftware Stabilizer. Auch wirtschaftlich lohnt sich die Firma: 11 Mio. Amerikaner leiden unter Parkinson oder anderen neuronalen Krankheiten. Allein in Deutschland sind 300.000 – 400.000 Menschen betroffen. Der Löffel soll dabei nur der Anfang sein. Alle möglichen Alltagsgegenstände bereiten den Patienten schließlich Probleme. Weitere Projekte könnten Schlüssel, Schminkzeug und Werkzeuge sein.

Google Cars

Die Entwicklung selbstfahrender Autos ist ein weiteres großes Zukunftsprojekt von Google, was sich jedoch um Jahre verspäten wird. Nähere Infos gibt es hier.

Ausblick in die Zukunft

Ob Google sich auch zukünftig als Marktführer im Bereich der Suchmaschinen im World Wide Web behauptet, lässt sich nicht sagen. Dass heutzutage kaum noch jemand den Namen Alta Vista kennt, hätte man in den 1990ern schließlich auch nicht für möglich gehalten. Es ist also durchaus möglich, dass irgendwann eine neu entwickelte Technologie Google verdrängt. In naher Zukunft wird dies jedoch nicht geschehen.

Die Google-Suche wird uns, nachdem sie selbstständig alle für uns gerade relevanten Daten ausgewertet hat, womöglich passende Informationen bereits im Vorfeld einer hierfür getätigten Suche vorschlagen. Es gibt bereits die ersten Versuche einer vorhersagenden Suchmaschine – da aber die Sprache des Menschen im Kontext gesehen viel zu komplex ist, wird es vorerst wohl bei Vorschlägen bleiben. Das angezeigte Suchergebnisse jedoch einem algorithmischen Filter unterliegen, ist lange schon notwendiger Standard und liegt in der Funktionsweise der Computer-Technologie begründet. Man sollte sich also stets dessen bewusst sein, dass man nur das findet, was einen die Suchmaschinen finden lassen, ganz gleich, ob sie nun Google, Bing oder Yahoo! heißen.

Die größten Herausforderungen für die Betreiber bekannter oder auch zukünftiger Suchmaschinen ist und wird nach wie vor neben der Mehrdeutigkeit vieler Suchbegriffe die schnell wachsende Datenmenge sein. Zum einen entstehen täglich Millionen neuer Webseiten und zum anderen werden viele Webseiten täglich immer wieder aktualisiert.

Die „Suchmaschine der Zukunft“ wird nach Expertenmeinungen auf „spezialisierte Datenbanken“ zurückgreifen. Außerdem wird die personalisierte bzw. regional gesteuerte Suche immer mehr an Bedeutung gewinnen. Durch die Eingrenzung des Suchbereiches eines ganz bestimmten Nutzers lassen sich nicht nur wichtige Ressourcen sparen, sondern die Suche nach Informationen wird dadurch auch einfacher bzw. übersichtlicher.

Wohin die Reise für Google Inc. gehen wird, steht ebenfalls noch in den Sternen. Fakt ist jedoch, dass Google auch weiterhin danach streben wird, alles auf der Welt miteinander zu vernetzen, womit wir auch in Zukunft noch viele Innovationen erwarten dürfen. Ob Google damit bereits auf dem besten Weg zur (digitalen) Weltherrschaft ist? Es bleibt spannend.

 

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