20.11.2015

Google ist blind – so argumentierten wir 2014 ein wenig überspitzt, um zu verdeutlichen, dass Googles Suchalgorithmus größtenteils textbasiert funktioniert. Bilder müssen mit zusätzlichen Informationen versehen werden, um in der Suche weit oben zu ranken. Ein Jahr und einige technische Neuerungen im Bereich der Bilderkennung später ist es an der Zeit dieses Argument zu relativeren und über neue Wege bei der Suchmaschinenoptimierung für Bilder nachzudenken.

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© Jürgen Fälchle – Fotolia.com

SEO für Bilder heute – Kontext vor Content

Wenn aktuell die Rede von Bilder-SEO ist, dann wird oft nur davon gesprochen, dass sämtlicher bildumgebender Text (Kontext) wie der Dateiname, der ALT- und TITLE-Tage sowie Bildunterschriften optimiert werden sollten. Der eigentliche Bildinhalt (Content), sprich das, was auf dem Bild zu sehen ist, scheint keine große Rolle zu spielen.

Bei der Suchmaschinenoptimierung für Bilder gilt oft: Bilderoptimierung = Kontextoptimierung

Für Google birgt eine rein textbasierte Bildersuche einen wesentlichen Nachteil – der Algorithmus wäre ausschließlich auf die Angaben Dritter angewiesen. So lassen sich Ergebnisse einfach manipulieren. Außerdem gibt es Millionen Bilder im Netz, die nicht mit Metadaten versehen sind und somit für Google unsichtbar wären.

Die Lösung für dieses Problem? Google muss lernen Bildinhalte auszuwerten. Schon jetzt ist der Suchalgorithmus begrenzt in der Lage Schriften, Objekte, Farben und Texturen in Bildern zu erkennen. Das zeigt sich aktuell darin, dass Google in der Bilderrückwärtssuche optisch ähnliche Bilder finden kann.

Diese Entwicklung steckt zwar noch in den Anfängen, aber für die Zukunft gilt:
Bilderoptimierung = Optimierung von Kontext + Content

 Bilder ohne Metadaten in der Bildersuche

Die Bildersuche von Google kann schon jetzt Bilder konkreten Suchanfragen wie „Apfel angebissen“ zuordnen, selbst wenn keine ausreichende Beschriftung durch Tags und Dateinamen erfolgt ist.

Google ist Vorreiter bei der automatischen Objekterkennung

Wie ausgereift Googles Technologie zur automatischen Objekterkennung ist, wurde bei der ImageNet Large-Scale Visual Recognition Challenge 2014 (ILSVRC) deutlich. Bei dieser Challenge treten Algorithmen verschiedener Teams gegeneinander an, mit der Aufgabe Objekte auf Bildern zu erkennen und zu klassifizieren.

Das GoogLeNet-Team konnte mit seinem Algorithmus die Qualität im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen verdoppeln und ergatterte so den ersten Platz. Damit geht Google als klarer Vorreiter bei der Objekterkennung aus der Challenge heraus.

Objekterkennung unter Google

Die Objekterkennung des GoogLeNet-Teams konnte die Qualität der Vorjahresergebnisse sogar verdoppeln. Wer weiß wie weit die Technik schon im nächsten Jahr sein wird? © Google Research Blog

Dass diese beeindruckende Technik für Google Produkte wie die Bildersuche Anwendung finden wird, ist auch für die entwickelnden Software Ingenieure mehr als wahrscheinlich:

„These technological advances will enable even better image understanding on our side and the progress is directly transferable to Google products such as photo search, image search, YouTube, self-driving cars, and any place where it is useful to understand what is in an image as well as where things are.”

Googles Idee vom perfekten Bilderalgorithmus geht sogar noch viel weiter. Einzelne Objekte auf den Bildern sollen in Zukunft nicht nur identifiziert, sondern miteinander in Beziehung gesetzt, ihr Verhältnis zueinander und ihre Aktivitäten beschrieben werden.

„A description must capture not only the objects contained in an image, but it also must express how these objects relate to each other as well as their attributes and the activities they are involved in.” (Google Research Blog)

Automatische Bildbeschreibung von Google

Dieses Bild wurde vom Algorithmus automatisch mit folgenden Worten beschrieben: „Two pizzas sitting on top of a stove top oven“ © Google Research Blog

Prognose: Was bedeutet das für die Suchmaschinenoptimierung?

Es bleibt festzustellen: Google ist nicht blind. Die Suchmaschine sieht vielleicht noch etwas verschwommen, aber in naher Zukunft dürfte sie ihre Augen weiter öffnen. Die Technik zur automatischen Objekterkennung existiert, wird von Google mit großen Schritten weiterentwickelt und verzeichnet schon jetzt beachtliche Erfolge.

Doch was bedeutet diese Entwicklung für die Suchmaschinenoptimierung für Bilder? Drei Thesen, wie die Zukunft der Bildersuche aussehen könnte.

1) Unique Content vor Duplicate Content

Was bereits für die organische Suche das A und O ist, gilt zukünftig auch für die Bildersuche – Unique Content vor Duplicate Content. Es erscheint nur logisch, dass Google dem Suchenden zukünftig nicht mehr hundertfach das gleiche Motiv anzeigt, sondern ihm Varianten davon anbietet. Das bedeutet konkret für die Bebilderung von eigenen Artikeln, Ratgebern und Kategorieseiten im Onlineshop, dass es die ewig gleichen Stockfotos & Co. schwerer haben werden. Besser ist es eigene und somit einzigartige Bilder zu verwenden.

2) Bild und Text müssen übereinstimmen

Bilder, deren Metadaten (Kontext) nicht mit dem Motiv (Content) übereinstimmen, werden in Zukunft keine Chance auf eine gute Platzierung haben. Wer also meint ein Bild von einem „grauen VW Polo“ mit zusätzlichen, falschen Attributen wie anderen Farben oder anderen Marken zu versehen, um die Reichweite zu erhöhen, wird damit mittelfristig keine Chance auf gute Rankings haben. Ein kohärenter Zusammenhang zwischen Bild und dem umgebenden Text sollte gegeben sein.

3) Metadaten sind weiterhin wichtig

Der starke Einfluss, den die Metadaten auf die Bildsuchergebnisse haben, wird sicherlich nachlassen, aber nicht gänzlich verschwinden. Denn auch in Zukunft werden Erkennungsalgorithmen nicht unfehlbar sein. Google kann sich über die Metadaten, wie alt- und title-tag rückversichern, ob der Suchalgorithmus mit seiner Interpretation des Motivs richtig lag.

Fazit: Gute Rankings langfristig nur durch eigene Bilder

Wer schon jetzt einzigartige, zum Inhalt seiner Website passende Bilder verwendet und diese mit den adäquaten Meta-Tags auszeichnet, der braucht nichts an seiner Arbeitsweise ändern. Einzigartigkeit, hohe Qualität und thematische Relevanz – das sollte Ihre Bilder auch in Zukunft auszeichnen.

Dies erreicht man sicherlich nur, wenn man eigene und hochwertige Fotos nutzt, um nicht auf tausendfach verwendete Stockfotos zurückgreifen zu müssen. Denn auch für die Bildersuche gilt: Eigener Content ist King.

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