08.09.2015

Google beherrscht den Suchmaschinenmarkt in Deutschland. Einerseits kommt das sicherlich, durch die Speicherung personenbezogener Daten. Zum anderen wegen Maßnahmen gegen qualitativ mangelhafte Webseiten wie Pinguin oder Panda Updates. Generell scheint es Google gelungen zu sein einen Algorithmus zu erstellen, der von den meisten Nutzern nicht nur genutzt, sondern als der sinnvollste im gesamten Web eingestuft wird.


Dass dies auch daran liegt, dass der Suchalgorithmus selbst den User erzieht, verändert und sein Suchverhalten formt ist eine Tatsache, die auch unter Medienwissenschaftlern mit großem Interesse verfolgt wird. Das System ist stimmig: Wir lernen bei jeder Suchanfrage, die uns nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt, unsere Anfrage anzupassen. Und Google misst auf der anderen Seite, was am häufigsten gesucht wird und welche Seiten eine besonders hohe Absprungrate haben. Dadurch nähern sich Erwartungen und Ergebnis bei jeder Suchanfrage bei Google weiter an und der User bekommt beim Nutzen anderer Internetdienste das Gefühl, dass die Ergebnisse nicht so stimmig sind, wie die bei Google – und bleibt seiner Marke treu.

Die NSA Affäre macht den Unterschied

In die Kritik geraten ist dieses System durch die jüngste NSA Affäre. Zu den üblichen vor der Marktmacht Googles Warnenden hat sich ein Heer von Besorgten gesellt, die, verunsichert über den Umgang mit Daten, nach einer Alternative zu der US-Suchmaschine suchen. Denn der Zugriff staatlicher Behörden und von Unternehmen auf das eigene Surfverhalten wird vermehrt als ein zu großer Eingriff in die Privatsphäre gesehen. Dass es alternative Dienste im Netz gibt, ist eine Tatsache. Dass sie die Privatsphäre oft besser schützen, ist in vielen Fällen ebenfalls eine und dass alternative Suchmaschinen zu Google völlig andere oder schlechtere Ergebnisse liefern, ist nicht immer richtig. Grund genug um an dieser Stelle einige der gängigsten Google-Alternativen vorzustellen.

Suchmaschine DuckDuckGo

Screenshot: DuckDuckGo.com

DuckDuckGo – Anspruch auf Datenschutz

Duck Duck Goose („Ente Ente Gans“) ist ein Kinderspiel, das dem Spiel „Der Plumpsack geht rum“ ähnelt. Mit dem etwas ungewöhnlichen Emblem einer Ente und dem speziellen Namen wurde diese Suchmaschine lange verlacht, erfuhr jedoch insbesondere nach besagter NSA Affäre einen Aufschwung. Datenschutztechnisch gehört die Seite jedoch zum alten Eisen: Bereits 2011 startete sie eine Kampagne gegen die Datensammelwut von Google auf einer Werbefläche in San Francisco. Seit dem stieg die Nutzerzahl der selbst erklärten „Anti-Google-Suchmaschine“ kontinuierlich an, immer wieder durch externe Ereignisse gepusht: 2012 durch die Integration als Standartsuchmaschine bei Firefox auf dem am weitesten verbreiteten Linux Derivat „Mint“ und durch die Enthüllungen von Edward Snowden seit 2013.

Von der Handhabung unterscheidet sich die Seite kaum von Google, lediglich die Suchoperatoren, sogenannte „Bangs“, unterscheiden sich. So gibt die Anfrage „!w Keyword“ die Wikipedia-Seite des jeweiligen Keywords aus. Auch die Suchergebnisse sind ähnlich wie die von Google.

Suchmaschine Quwant

Screenshot: Qwant.com

Qwant – Suchmaschine ohne Nutzertracking

Das französische Internetunternehmen Qwant ist mit der gleichnamigen Suchmaschine ebenfalls auf den „Datenschutzzug“ aufgesprungen und wirbt mit einem Maximum an Privatsphäre: Kein Nutzer-Tracking, keine Cookies und keinerlei andere gespeicherte Daten. Unter „Ihre Privatsphäre und Qwant“ wird die Umgangsweise mit Daten detailliert beschrieben; allerdings bisher nur auf Englisch.

Positiv fällt auf, dass es Qwant gelingt drei Spalten (Web / News / Social Media) in den Suchergebnissen anzuzeigen und trotzdem noch aufgeräumt zu wirken.

Das Große Menü mit weiteren Filteroptionen am Rand fügt sich ebenfalls nahtlos ein. Die Ergebnisse können es mit Google aufnehmen und sind durch besagte Dreiteilung präziser aufgeschlüsselt und können generell mit denen von Google, Bing und DuckDuckGo mithalten, wie eine in der FAZ veröffentlichten Studie belegt.

Suchmaschine Ixquick

Screenshot: Ixquick.com

Ixquick – Metasuchmaschine ohne Datenspeicherung

Hier handelt es sich um eine Metasuchmaschine: Metasuchmaschinen sammeln Ergebnisse von anderen Suchmaschinen, entfernen die Duplikate und sortieren die Ergebnisse nach durchschnittlicher Häufigkeit und Relevanz neu. Ein Sternesystem zeigt an, auf wie vielen Suchmaschinen das jeweilige Ergebnis gefunden wurde. Welche Maschinen das sind bleibt allerdings unklar.

Angenehm ist die Suchmaske unter „erweiterte Suchoptionen“, über die einzelne Wortgruppen und Wörter einbezogen oder ausgelassen und direkt Domains angesteuert werden können. Lästiges eintippen der bekannten Google Suchoperatoren wird somit größtenteils umgangen.

Die Seite macht ebenfalls damit Werbung, dass sie keine Daten speichere. Das ist allerdings nur teilweise richtig: Daten werden zu Auswertungszwecken 48 Stunden lang gespeichert und danach mit neuen Daten überschrieben. Da ein Teil der Server in den USA steht, unterliegen diese der Auskunftspflicht gemäß des Patriot Act. Suchanfragen aus Europa werden aber, so die Betreiber, über europäische Server gelenkt. Mit StartPage bietet dieselbe Firma noch eine weitere Alternative an, die allerdings Google Ergebnisse anzeigt. Der Vorteil besteht darin, dass die Anfragen nicht personalisiert sind. Die Unterschiede zu den Ergebnissen von Ixquick sind dabei oft marginal.

Suchmaschine MetGer

Screenshot: MetaGer.de

MetaGer – Metasuchmaschine

Eine andere Metasuchmaschine ist die an der Universität Hannover entwickelte und von einem gemeinnützigen Verein betriebene MetaGer. Hier werden die Ergebnisse aus 30 Suchmaschinen gefiltert, wobei noch rund 30 zusätzliche ausgewählt werden können. Die Ergebnisse zeigen an, welche Suchmaschine den Treffer gelandet hat, wobei auch die Suchfunktionen großer Seiten wie Zeit Online, T-Online oder diverse Wikis einbezogen werden. Die Suchergebnisse sind allerdings bei der Standarteinstellung stark Yahoo! und Yandex lastig, wodurch sich die deutlichen Abweichungen von den Google Ergebnissen bei gleicher Anfrage erklären lassen. HTTPS und der Verzicht auf das Setzen von Cookies sowie Speichern von Daten tragen zu hoher Anonymität beim Surfen bei. Die Ergebnisse können über einen anonymisierenden Proxy aufgerufen werden.

Suchmaschine Ask

Screenshot: Ask.com

Ask – Frage-Antwort Portal

Früher insbesondere in den USA eine Suchmaschinengröße, hat sich Ask.com laut eignen Angaben zu einem automatisierten Frage – Antwort Portal entwickelt. Mit mäßigem Erfolg: Die Antworten auf eingetippte W-Fragen sind – zumindest in der deutschen Version – unter undurchsichtigen Suchergebnissen verschüttet und müssen dennoch mühsam vom User aus den Ergebnissen herausgefiltert werden. In Zeiten von Googles strukturierten Daten und Informationen außerhalb der organischen Suchergebnisse wird wohl auch hier Ask.com an Boden verlieren. Daran wird auch nichts ändern, dass sie in einigen Firefoxpaketen von Linux Fedora als Standartsuchmaschine eingestellt ist. Der Marktanteil sank von 0,9% im Jahr 2013 auf 0,2% im Jahr 2015.

Suchmaschine WolframAlpha

Screenshot: WolframAlpha.com

Wolfram Alpha – Semantische Suchmaschine

Besser schneidet bei den W-Fragen die semantische Suchmaschine Wolfram Alpha ab. Hier werden die Anfragen semantisch klassifiziert und so die Ergebnisse passend gefiltert. Allgemeine Anfragen werden hier allerdings nur unzureichend bedient, für wissenschaftliche Zwecke oder Informationsbeschaffung auf höherem Niveau eignet sich die Suchmaschine besser. Die Anfragen werden langsamer bearbeitet als bei der Konkurrenz, dafür finden sich die Informationen direkt auf der Ergebnisseite und nicht hinter einem anklickbaren Hyperlink mit Verweis auf eine andere Seite.

Suchmaschine Yippy

Screenshot: Yippy.com

Yippy – Jugendfreie und politisch korrekte Suche

Wem die Freiheit des Internets suspekt ist oder auch einfach seine Kinder schützen will, dem bietet Yppiy eine Jugendfreie und politisch korrekte Plattform. Alle Inhalte werden ausgelassen, die pornographischen oder sexualisierten Inhalt haben, zu Spielsucht führen könnten oder Ansichten vertreten, die als antisemitisch, antichristlich, anti-konservativ oder antiamerikanisch gelten könnten. Hieraus wird deutlich, dass sich die Suchergebnisse nicht nur in der Reihenfolge, sondern auch in der Anzahl von denen bei Google unterscheiden. Die meisten Nutzer kommen aus den USA und Irland und sind allerdings keine Jugendlichen und Kinder, sondern Männer über 45.

Suchmaschine Fragfinn

Screenshot: Fragfinn.de

Fragfinn – Suchmaschine für Kinder

Ein ähnliches Konzept verfolgt die Suchmaschine FragFinn, allerdings mit weniger strengen Zensur und Suchergebnissen, die tatsächliche für Kinder ausgelegt sind. Für herkömmliche Produktanfragen, Boulevard und Informationsbeschaffung auf höherem Niveau völlig ungeeignet, kann die Seite jedoch einfache Infos auf kindgerechten Seiten finden. Die Seite wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert und die Seiteninhalte von Medienpädagogen redaktionell geprüft. Zielgruppe sind Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, denen ein sicherer Einstieg ins Internet geboten werden soll. Aber auch Produkte für Kinder sind vertreten: schließlich wird der Dienst von Verbänden der deutschen Wirtschaft finanziert.

Suchmaschine Yandex

Screenshot: Yandex.com

Yandex – Suchmaschine aus Russland

Yandex ist der Suchmaschinen Marktführer in Russland, bietet allerdings den Dienst auch für andere Länder an. Der Algorithmus unterscheidet sich massiv von dem von Google, ebenso die Ergebnisse, die Datensicherheit allerdings wahrscheinlich nicht. Auch die eingestreuten russischen Seiten in den deutschen Suchergebnissen verwirren hin und wieder. Der Milliardenkonzern hat aber 2014 eine Niederlassung in Berlin gegründet und greift nach eigenen Angaben nach dem europäischen Markt. In der Zahl der Suchanfragen in Deutschland hat sich dies allerdings noch nicht widergespiegelt.

Suchmaschine Watscuhste

Screenshot: Watsuchste.de

Watsuchste.de – Die etwas andere Suchmaschine

Zum Schluss ein Gimmick, dass wenig gepflegt, relativ unnütz, schlecht funktionierend aber unterhaltsam ist: www.watsuchste.de kommentiert frech die Suchanfragen. Wer nach Häusern sucht, wird gefragt, ob Parkbänke denn nicht reichten und auf die Anfrage „Google“ kommt die Gegenfrage, ob das wieder so ein Schülerprojekt sei. Geschmackssache, nicht für den täglichen Gebrauch, aber ein Plätzchen unter den Favoriten im Browser für die Kaffeepause wert.

Fazit

Die Suchmaschinen DuckDuckGo und Qwant versprechen Datenschutz und gute Suchergebnisse, können aber bei der Marktmacht von Google und der Gewöhnung an den Riesen nur schwerlich eine bedeutende Rolle spielen. Andere Suchmaschinen sind für speziellere Anfragen wie hochwertige Wissensfragen oder für Kinder teilweise besser geeignet. Eines steht also fest: Es gibt sie, die leistungsfähigen Alternativen zu Google.

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1 Kommentar zu "Google Alternativen – Vorstellung von Alternativen Suchmaschinen"
  • Ich nutze ausschliesslich http://www.quadrazid.com, basiert auf dem Google-Index, vollständig anonym, schnelle Suchergebnisse und keine Werbung.

    Startpage ist mir zu vollgemüllt, Google trackt mir zu viel, DDG liefert nicht optimale Ergebnisse.

    Dazu kommt bei mir noch ein Punkt und zwar die Optik: Ich mag es wenn meine Suchmaschine ( Berufsbedingt den halben Tag nutze) optisch ansprechend und nicht zu überladen ist, halt wie Google.

    Desshalb ist für mich quadrazid.com perfekt.