26.03.2013
Panda © lemur1489 - Fotolia.com

Panda © lemur1489 – Fotolia.com

Mit dem Panda Update begann Google bereits 2011 eine große Qualitätsoffensive für die organischen Suchergebnisse, die auch für Shopbetreiber tiefgreifende Konsequenzen hatten. Bis heute wurden über 20 weitere Panda Updates ausgerollt. Die anfangs sehr stark auf den Content der Webseiten orientierten Verbesserungen im Suchalgorithmus zielen mittlerweile auch auf Kriterien wie Nutzerverhalten, Bewertungen und Nennungen in sozialen Netzwerken. Nachfolgend geht unser SEO-Experte Herbert Buchhorn auf einige Thesen ein, wie Google zukünftig bessere Onlineshops von schlechteren unterscheiden wird. Zitiert wurde er zu diesem Thema auch von iBusiness (der Link ist leider nur für registrierte iBusiness Mitglieder sichtbar).

These 1: Bewertungen von Käufern

Google verfügt bereits zum jetzigen Zeitpunkt über Informationen zu Käuferbewertungen der jeweiligen Onlineshops und weiß somit sehr genau darüber Bescheid. Diese aggregierten Daten von Drittanbietern zeigt Google bereits in den Shoppingergebnissen an.

Shopping-BewertungenSicherlich ist Google auch bewusst, dass sich diese Bewertungen manipulieren lassen. Nur ab einer gewissen Menge an Bewertungen wird sicherlich der prozentuale Anteil an Fake-Bewertungen geringer sein. Es wird daher unumgänglich, sich um mehr und bessere Userbewertungen zu kümmern. Allein die Erkenntnis der Shopbetreiber, dass positive Kundenbewertungen das Ranking beeinflussen können, wird dafür sorgen, dass sich Unternehmen noch mehr mit dem Thema Kundenzufriedenheit und dem Einholen von Bewertungen auseinandersetzen müssen. Nicht umsonst hat Google das eigene Portal http://www.google.com/trustedstores/ gelauncht.

These 2: Vorhandensein eines SSL-Zertifikats

SSL Siegel ©-arahan---Fotolia

SSL Siegel © arahan – Fotolia

Wenn Google unter „schlechten Shops“ auch die Sicherheit der Nutzer versteht, dann dürfte das Vorhandensein eines SSL-Zertifikats ebenfalls ein Kriterium darstellen. Auch zum heutigen Zeitpunkt findet man immer noch viele kleinere Onlineshops, die den Bestellprozess ohne verschlüsselten Checkout durchführen. Für Google können solche Shops eigentlich keine Empfehlung sein.

These 3: Bessere Produktpräsentationen

Zum Einkaufserlebnis sollte immer eine perfekte Produktpräsentation gehören. Gute Onlineshops zeichnen Ihre Produkte mit einer hohen Anzahl an Produktfotos aus, sodass diese auch von allen Seiten betrachtet werden können. Der nächste Schritt sind hier aussagekräftige Produktvideos oder 360°-Animationen, Produktdatenblätter und natürlich eine ausführliche Produktbeschreibung und Aufzählungen mit Listenelementen.
Für Google ist es kein Problem zu erkennen, ob mehrere Bilddateien (jpg, png), Produktvideos (swf), Aufzählungen (ul/li-Elemente) und ausreichende Produktbeschreibungen vorhanden sind.

These 4: Optimierte Ladezeiten

Was schon lange bekannt ist, wird künftig auch stärker zur Gewichtung kommen. Wie kann ein „tolles Einkaufserlebnis“ zu Stande kommen, wenn man mehrere Sekunden warten muss, bis sich Kategorien, Produkte oder Suchergebnisse aufbauen. Wer diesen Punkt bisher vernachlässigt hat, wird hier künftig kräftig nachbessern müssen. Der eine oder andere Shopbetreiber wird hier sicherlich auch einen Wechsel seiner Shopsoftware in Betracht ziehen müssen, um diesem Kriterium gerecht zu werden.

These 5: Social Signals

Social SEO ist ja bereits seit letztem Jahr in aller Munde. Google wird diese Signale von Facebook, Google+, Twitter und Pinterest stärker in die Bewertung einfließen lassen, da man sicherlich diese Informationen bereits sehr gut auswerten kann. Für Google dürfte es sowieso kein Problem sein, gekaufte oder automatisch erstellte Fake-Profile zu erkennen. Eine Autorität (Stichwort Author-Markup) auch im Social-Media-Bereich zu sein, wird deshalb immer wichtiger werden.

These 6: Marken-Bekanntheit steigern

Was Google bereits im organischen Index schon lange mit dem Brand-Update durchgeführt hat, wird auch im Shopping-Bereich immer wichtiger werden. Wie viele andere Internetuser und Webseiten berichten über den eigenen Shop im Internet? Markenbekanntheit schafft Vertrauen und dies nicht nur bei den Verbrauchern, sondern auch bei Google. Sicherlich auch ein Grund, warum sich damals „moebel-profi.de“ in „home24.de“ umbenannt hat. Mit Home24 ist es sicherlich einfacher, sich bei Google als Marke aufzubauen.

These 7: Anzahl der Produkte im Shop

Bereits bei Google Shopping war es von Vorteil, sehr viele Produkte an Google im Feed zu übermitteln. Je mehr Produkte im Merchant-Center waren, desto höher die Wahrscheinlichkeit für bessere Shopping-Rankings. Die Frage, die sich hier jedoch stellt: Ist ein Universalshop wie Otto mit hunderttausenden von Produkten „besser“ für Google als ein reiner Spezialshop mit evtl. nur 100 Produkten, bei denen sich der Shop Eigentümer sogar noch professioneller auskennt? Leider haben wir hier in letzter Zeit die Bevorzugung von solch großen Shops gesehen, sehr zum Leidwesen von kleineren engagierten Shopbetreibern.

These 8: Online / Offline – Handel

Google könnte in manchen Themenbereichen die Shops bevorzugen, die auch tatsächlich ein Händlernetz zur Verfügung haben. Für Google wäre dies aufgrund der zusätzlichen Google+ Local (Places)-Einträge des jeweiligen Onlineshops sehr leicht zu erkennen. Dafür sprechen könnte vor allem auch, dass Google verstärkt im regionalen Handel mitmischen möchte (Google Wallet, Couponing etc.).

These 9: Anzahl vorhandener nicht erreichbarer Inhaltsseiten (404)

Für Google könnte ebenfalls zur Bewertung von guten „Onlineshops“ der vermehrte Aufruf von 404-Fehlerseiten relevant sein. Gute Onlineshops gehören gepflegt und somit sollte bei diesen Shops der Anteil an 404-Seiten sehr gering bzw. gleich Null sein. Vor allem die Google Webmaster-Tools bzw. Google Analytics helfen hier, diese Seiten zu erkennen. Sie sehen also, Google kennt bereits Ihre Stärken und Schwächen.

These 10: Usability und Besucherverhalten im Shop

Eines der wichtigsten Kriterien wird sicherlich das Verhalten der Shopbesucher auf der Webseite werden. Google wird dies künftig noch mehr in das Ranking einfließen lassen. Gerade diese Signale sind für Shopbetreiber und Suchmaschinenoptimierer sehr schwer zu manipulieren. Es gilt also, die Absprungrate zu minimieren und die Verweildauer sowie die Seitenaufrufe je Besucher zu erhöhen. Eine schlechtere Absprungrate gegenüber Ihren direkten Konkurrenten bei den einzelnen Schlüsselwörtern ist für Google ein deutliches Signal, dass hier der Konkurrent wahrscheinlich ein schöneres Shoperlebnis bietet bzw. ein besseres Produktergebnis liefert.

Sonstige Thesen als Kriterium

Google hat heute sicherlich noch sehr viel mehr Signale von Onlineshops die ausgewertet werden können, um zu beurteilen ob es sich um einen „guten Shop“ handelt.
Dies wären z.B. Daten von

Also deutliche Informationen, welche Keywords führen zu welchen Umsätzen in welcher Höhe. Welche Produktkategorien werden häufig, welche weniger häufig gekauft.

  • Google AdWords/Google Ads

Fast alle großen Anbieter schalten Google AdWords/Google Ads Anzeigen. Google weiß also, welche Keywords bei wem besser funktionieren als beim Anderen. Das Conversion-Tracking gibt zudem deutliche Signale, wann ein Ziel erreicht wurde.

  • Google Chrome und Google Web Fonts

Google hat mit seinem Browser Chrome sowie mit den Google Web Fonts ebenfalls Informationen über das Besucherverhalten auf dem Webshop und kann diese evtl. auswerten.

Es stellt sich die Frage, wie Google diese Informationen in das Verhältnis bringen kann zu Onlineshops, die kein Google Analytics  bzw. Google AdWords/Google Ads nutzen.

Schlussbemerkung

Matt Cuts hat mit seiner Aussage, dass schlechte Shops künftig abgestraft werden, wieder für reichlich Wirbel gesorgt. Mittlerweile ist Panda Update Nr. 25 ja auch schon online gegangen. Ich möchte hier aber auch erwähnen, dass mindestens 90% aller Onlineshops noch erheblich gravierendere Probleme sowohl im technischen SEO-Onpage-Bereich (Duplicate Content usw.) als auch im inhaltlichen SEO-Onpage-Bereich (Kategorisierung, Keyword-Recherche usw.) haben. Dies betrifft auch die Shops, die behaupten, sie wären bereits Onpage-optimiert. Shopbetreiber sollten sich zuerst einmal um diese Probleme kümmern, ohne selbstverständlich die Kundenzufriedenheit und Usability des Shops außer Acht zu lassen.

 

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1 Kommentar zu "Google Panda Update – Konsequenzen für Online Shops"
  • Hallo Herbert,

    einen tollen Artikel und eine gute Zusammenfassung hast du erstellt, danke.

    Ich bin auch der Meinung, dass das Nutzerverhalten zukünftig eine essentielle Rolle bei der Relevanzbetrachtung und der Rankingverteilung in der Google Suche spielen wird. Das Thema Social Signals betrachte ich allerdings mit gesunder Skepsis (abgesehen vom Author Rank und Publisher Rank). In jedem Falle sollte der Online Shop Betreiber eine technisch und inhaltlich überzeugende Basis schaffen, auf welcher er mittels viraler Maßnahmen Trust und Traffic aufbauen kann.

    VG Jens