09.03.2018

Am 6. und 7. März fand erneut Europas größtes Content-Marketing-Event, die „Content-Marketing Conference & Exposition“ (kurz CMCX) statt. Die Konferenz bot über 30 Vorträge und verfolgte unter anderem die Schwerpunkte B2B-Content Marketing und Native Advertising.  Mein Gesamtfazit: Inhaltliche Tiefe und vor allem Praxisnähe der Sessions waren sehr durchwachsen. Auch bei der Zuverlässigkeit der Bühnentechnik gibt es Luft nach oben. Im Recap: Was nehmen wir aus den Sessions mit?

Begrüßung CMCX

Inhaltsverzeichnis

„Content für die CustomerJourney: Definition und Umsetzung durch eine Inhouse-Agentur“ (SAP)

Worum ging’s? Die Zuhörer bekamen Einblicke in die SAP Inhouse Content Mark

eting Strategie. Die Session war allerdings nicht auf einzelne strategische Elemente bezogen, sondern auf interne Organisation rund um die interne Agentur „Studio SAP“.

Kernaussagen: Content Marketing bei SAP bedeutet im Wesentlichen eine strikte Ori

entierung an der Customer Journey und an den Fragen, die sich der potenzielle Kunde stellt, wann er welche Informationen braucht und wie man sie ihm liefert. Die SAP Customer Journey ist sowohl Startpunkt als auch zentraler Dreh- und Angelpunkt für alle Content-Marketing-Maßnahmen. Operativ sind drei Bereiche wichtig:

  1. Content Marketing Strategie
  2. Content Services (erstellen, managen etc.)
  3. Koordination der beteiligten externen und internen Agenturen

Mit „Studio SAP“ hat der Konzern eine Art Inhouse Agentur mit vielfältigen Aufgaben gegründet, u.a. für die (Content-)Beratung anderer Unternehmensbereiche und die Lokalisierung  aller Inhalte.

Warum sich SAP mit „Studio SAP“ eine eigene Inhouse Agentur für Content Marketing aufgebaut hat.

Studio SAP übernimmt u.a. die Koordination interner und externer Agenturen. Der größte Teil der Inhaltsproduktion übernehmen externe Agenturen. In Zahlen: Es gibt rund 30 interne SAP-Agenturen weltweit, bei denen die Arbeitsteilung und das Briefing die größte Herausforderung ist. Zusätzlich arbeitet SAP mit ca. 550 Agenturen weltweit zusammen, die weitere Zuarbeiten übernehmen.

Aha-Effekt: „Wir wollen nicht das Denken outsourcen: Wir bauen die Strategie, unsere externen Agenturen setzen vor allem die Produktion um.“ (Christoph Zeidler, Leiter Strategie, Prozesse und Technologie von Studio SAP)

Fazit/Session-Kritik: Eher ungünstig war die Kombination aus deutschen Vortrag und englischen Folien – #Gehirnfasching. Abgesehen davon ein interessanter Einblick in eine monströse Content Maschinerie.

„Content Marketing als Beratungs- und Dialoginstrument – mit überzeugenden Inhalten zu mehr Conversions“ (Matratzen Concord)

Worum ging’s? Bei dieser Session ging es vorrangig um die Mittel und Wege im Onlineshop selbst, die ein beratungsintensives Produkt besser verkaufen sollen.

Kernaussagen: Zentral ist der „Matratzenfinder“ und die Chat-Beratung, bei dem erfahrene Mitarbeiter aus den Filialen am anderen Ende sitzen.

Screenshot von www.matratzen-concord.de

Screenshot von www.matratzen-concord.de

Shop-Seiten sind in der Regel so aufgebaut, dass sie kuratierte Elemente (Produkte oder Produktgruppen) aufbereiten: das heißt beratende Erläuterungen zu Matratzen liefern und immer gleich die passenden Produkte dazu auswählen. Die Online Marketing Unit folgt dabei dem Motto: „Lernen, Testen, Ausbauen.“

Fazit/Session-Kritik: Diese Session drehte sich ausschließlich um den Shop-Inhalt, die Shop-Gestaltung bzw. um die E-Commerce-bezogene Elemente wie Bewertungsskalen und das Preisvorschlags-Modul. Man kann sicher diskutieren, inwieweit dies Content Marketing im engeren Sinn ist. Auf eine der am Anfang der Session genannten Herausforderungen ging die Referentin leider nicht ein: Wie gelange ich ins relevant set bei einem Produkt, das der durchschnittliche Konsument „nur alle 12 bis 14 Jahre neu kauft“?

„Wie Content Marketing starke Marken wie Mediamarkt, Vodafone und Lottohelden zum „Talk of Town“ macht“ (Axel Springer Brand Studio Editorial – BILD)

Worum ging’s? Diese Session beschäftigte sich mit der Frage: Wie werden aus Produkten Storys? Referentin Yvonne Beister gab Einblicke in die Native Advertising Arbeit des „BILD Brand Studios“.

Axel Springer CMCX

Kernaussagen: Es wurde ein Einblick gegeben, welche KPIs für diesen Bereich bei BILD Brand Studios relevant sind bzw. wie der Wert einer Werbemaßnahme gemessen wird:

  • Anzahl Artikelaufrufe / Videoaufrufe
  • Verweildauer
  • beim Nutzer ausgelöste Emotion
  • Social Media Interaktionen
  • im großen Rahmen gemessen „Markenuplift“.

Was sind die entscheidenden Komponenten, die man für eine funktionierende Story braucht?

  • Eine gute Geschichte braucht einen starken Helden (1 Million Follower bei Instagram sind auch hilfreich)
  • Man muss Gefühle vermitteln (Emotionen anpingen, notfalls Sex, Hauptsache berührend)
  • Es muss eine plattformgerechte Aufbereitung der Geschichte geben
  • Man muss Mut haben, sich von der Masse abzuheben
  • Glaubwürdigkeit verschaffen

Besprochene Cases u.a.: Annas an Demenz erkranktem Vater sowie Lottohelden/Thomalla.

Fazit/Session-Kritik: Bild nutzt das jahrzehntelang perfektionierte Spiel auf der Emotionen-Klaviatur und bastelt neben Nachrichten nun vor allem Werbung. Gezeigt wurde auch der Case vom Elektronikhändler SATURN mit Annas an Demenz erkranktem Vater. Der Native Advertising Case liegt darin, dass lediglich eine Berichterstattung über den Clip selbst orchestriert wird. Ist das noch nutzerzentriertes Content Marketing oder (gut gemachte) hoch-emotionale Werbung? Thorsten Eder, Leiter Marketing bei SATURN(!) hat dazu einen klaren Standpunkt in seiner eigenen Session auf der CMCX: „Das ist Werbung.“

„Content Marketing über Bande: Wie die KfW mit B2B2C-Kommunikation weiter denkt“ (KfW)

Worum ging’s? In dieser Session wurde erläutert, wie sich eine Zielgruppe erreichen lässt, mit der zu keiner Zeit direkter Kontakt besteht. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) muss um die Ecke denken, um den Endkunden auf ihre finanziellen Fördermöglichkeiten aufmerksam zu machen. Der Trick: B2B2C-Kommunikation.

Kernaussagen: Partner (Banken, Finanzierer, Vermittlerplattformen) erhalten Zuarbeiten aus dem „Integrated Media“ Konzept von KfW. Das Besondere: Der Content ist Whitelabel! Das heißt, look and feel der Inhalte werden an das Corporate Design der Partner angepasst (z.B. im Rot/Weiß der Sparkassen).

  • Die Partner erhalten also zielgruppenspezifischen Content „geschenkt“ – Aufwand, den sie aus ihren Budgets streichen können.
  • Für die KfW werden einerseits die Kunden zu den Produkten geführt und KfW erhält über die Analytics der Partner Nutzungsdaten.
  • Der Kunde kommt überhaupt erst zu den geldwerten Leistungen der KfW.

All das nennt die KfW „Marketingunterstützung“ – fein aufbereiteter Content für die Partner. Das Tracking fände „über quantitative und qualitative Messungen“ statt. Dabei ist die KFW natürlich auf die Zusammenarbeit mit den Partnern angewiesen, sprich dass diese die Daten mit der KfW teilen.

4. Session

Fazit/Session-Kritik: Die KfW mit „indirektem Geschäftsmodell“, muss quasi „über Eck“ denken, um die „kommunikative Blackbox“ zu füllen. Es war eine sehr praktische Session, die tiefe Einblicke zu Strategie und Umsetzung gab. Ein sehr konsequenter „quality first“ Ansatz, allerdings mit offenen Fragen bei Tracking und Erfolgsmessung, Stichwort: Welche Informationen erhalte ich über Nutzer auf den Domains meiner Content-Partner?

„Content & Performance – Wie geht das zusammen?“ (Fischer Appelt)

Worum ging’s? Fischer Appelt „Performance“ wurde als Verbindung von Kommunikation und Performance gegründet. Die Speaker präsentierten noch einmal den bereits bekannten Weg, wie ein komplettes Team auf einmal angeheuert wurde und dadurch Kommunikation und Performance unter dem Dach von Fischer Appelt verheiratet wurde.

Kernaussagen: Diese Session zeigte am Beispiel Air Berlin, wie es durch Personalisierung zur Performance kommt. Dafür soll jeder Nutzer individuell angesprochen werden, um Performance in Form von höherer Conversion Rate bzw. Klickrate auf Anzeigen und auf den Landingpages zu erzielen. Dafür wurde eine allumfassende Datensammlung über alle Unternehmensbereiche hinweg vorgenommen und anschließend konsequent segmentiert. Letztlich ging es schlicht darum, bspw. Business-Kunden und Touristen unterschiedlich anzusprechen.

Die Content und Kommunikationsprofis ermitteln dann die nötigen emotionalen bzw. nutzwertigen Inhalte und Ansprachen an die Segmente. Gestützt auf ein klassisches Funnel-Modell. Insgesamt sollte die „Intensität des Contents“ erhöht werden. Ziel ist die konsistente Kundenansprache an jedem Punkt des Funnel: Die Emotion am oberen Ende für Awareness und Markengefühl (tofu) kombiniert mit dem performance-Ansatz am unteren Ende für Conversion und Leads (bofu).

Air Berlin CMCX

Fazit/Session-Kritik: PR sucht Performance, Performance braucht PR: Diese Session stand sinnbildlich für die Erweiterung des Kompetenzbereiches der „One-Trick-Ponys“ innerhalb der Branche hin zu einem integrierten Marketingansatz mit Emotion UND Performance.

„Von der Marketing-Technik zur Management-Disziplin – Content Marketing als Teil der digitalen Transformation“ (Wirecard / Scompler)

Worum ging’s? In dieser Session ging es um die Entwicklung einer Content Strategie und wie die komplexe Content Operation zusammengehalten werden kann.

Kernaussagen: Scompler hat Excel als Tool im praktischen Einsatz abgelöst. Durch Scompler hat jeder Beteiligte der Content Operations (Strategie, Kreation, Distribution und Analyse) einen Gesamtüberblick über das Projekt. Von der Gesamtmission über die Gliederung von Themen in Storys bis hin zu einem Redaktionskalender, Freigabe-Prozessen und Reportings deckt Scompler alles auf einer Plattform ab. Abstimmungen zwischen Abteilungen, auch über Kontinente hinweg, werden damit visualisiert und handhabbar.

Fazit/Session-Kritik: Es wurde sehr anschaulich dargestellt, wie die Arbeit mit Scompler die Bereiche Strategie, Themenplanung, Beitragserstellung inkl. Review und Analyse in einer Plattform verbindet. Ein Tool, mit dem meine Kollegen und ich selbst gern arbeiten.

„Welche Rolle Content-Marketing im B2B-Bereich in der digitalen Transformation auf dem Weg zum Wissenschafts- und Technologieunternehmen bei Merck spielt“  (Merck)

 Worum gings? Sandra Baur – Head of Digital Content bei Merck, erklärte, welche Rolle Content-Marketing im B2B-Bereich in der digitalen Transformation des Konzerns spielt. Teil des Weges ist ein „Re-Branding“ vom Pharma-Unternehmen hin zu einem Wissenschafts- und Technologieunternehmen.

Merck CMCX

Kernaussagen: Merck hat schon immer Content gemacht, auch auf bezahlte Reichweite gesetzt, aber es lief lange unstrukturiert ab und wurde nicht richtig gemessen.

Vor dem eigentlichen Content Marketing, wurde die Außendarstellung massiv umgebaut:

  • Re-Branding Corporate Design: Bunte organische Formen statt schnöder Laborfotos
  • Relaunch Hauptwebsite, ausgemistet, konzentriert, nutzerorientiert
  • Intranet von Infoschleuder zu interaktiver Austauschplattform reformiert

Bezogen auf Content Marketing:

  • Hygiene Content (Search)
  • Engage Content (attract/like)

Vorgestellter Case: Der „Curiosity Report“ als Zentrum der Kampagne #staycurious.

Eckdaten:

  • andere kommunikative Themen besetzen als die Konkurrenz („Wissensdrang“ statt inflationär zitierter „Innovation)
  • Zielgruppe: B2B Meinungsführer erreichen (fotos zur kampagne)
  • Messung des Erfolgs: Unter anderem wie stark Personen den Marken-Botschaften von Merck zustimmen

Vorgehensweise bei Inhaltsentwicklung und Sicherstellung der Brand-Consistency: Ein spezielles „Toolkit“ gibt Mitarbeitern eine Art Handlungsrahmen, so dass die Inhalte zur Marke passen. Das schafft einen großen Handlungsspielraum (z.B. bezgl. Format, Frequenz, …) in der Contentplanung, stellt aber sicher, dass die präzise formulierte Marke Merck bestmöglich transportiert wird – egal von welcher Unit der Content kommt.

Fazit/Session-Kritik: Für Merck steht fest: Eine differenzierte, ausformulierte und konsistent präsentierte Marke ist der Ausgangspunkt- auch fürs Content Marketing. Hinzu kommt, dass es die Infrastruktur im Unternehmen braucht, um im Content Marketing erfolgreich zu sein (siehe „Toolkit“). Ad Budgets sind zwingender Planungsbestandteil von Kampagnen. Die organische Reichweite kann es nicht alleine richten.

„Wie erzähle ich gute Geschichten? Interhyp und Focus auf der Suche nach dem schönsten Wohnprojekt“   (Burda Forward / Interhyp)

Worum gings? Es wurde ein Case vorgestellt, wie das spröde Thema Baufinanzierung optimal an die Zielgruppe herangetragen werden kann: http://www.zuhause.focus.de/

Focus Interhyp CMCX

Kernaussagen: Die Kampagne wurde als Case in Anlehnung an den Hausbau präsentiert:

Der Grundriss (=Ausgangslage):

  • Details und Zahlen der Baufinanzierung waren eher ungeeignet zur Kommunikation. Das Thema „Haus/Zuhause/Traum verwirklichen“ musste das emotionale Vehikel der Kampagne sein.

Das Fundament (= Strategie und Format)

  • Konkretes Format war ein Wettbewerb und das interessanteste private Wohn- und Bauprojekt. Am Ende stimmen die User darüber ab, wer das Preisgeld für das beste Wohnprojekt (10.000 Euro) erhält.

Gerüst (= Seeding Maßnahmen)

  • Im Wesentlichen Native Advertising im BurdaForward Netzwerk.

Dach (= Erfolgsmessung)

  • Die Messung des Kampagnenerfolgs folgt bei Burda der Frage nach dem “Wirkungsbeitrag“ einer Content Marketing Maßnahme: Hat mein Content einen für das Unternehmen sinnvollen Wirkungsbeitrag geleistet? Hat er beispielsweise Bekanntheit, Sympathie und Wahrnehmung meiner Markenexpertise gesteigert? Gab es quantitative und qualitative Verbesserung bei den Leads und Anfragen?

Aha-Effekte: Bei eher sensiblen Themen wie Finanzen, Gesundheit u.a., sollte nicht unterschätzt werden, dass sich der Nutzer immer fragt: „Woher kommen Informationen bzw. wer hat sie veröffentlicht?“. Die Vermutung liegt nahe, dass gleich gute Inhalte wahrscheinlich auf einer etablierten Publikation/Plattform (Bsp. Tageszeitung) deutlich besser performen als auf den eigenen Kanälen eines Unternehmens. Ein Argument für Native Advertising, das nicht von der Hand zu weisen ist.

Fazit/Session-Kritik: Zwar sind Idee und Umsetzung des Cases relativ unspektakulär. Die Kosten für die Produktion waren aber sicher enorm – wozu letztlich noch die Kosten für die Verbreitung via Native Advertising im Netzwerk von BurdaForward mit FOCUS Online etc. kamen.

„Dokumentenfrust in deutschen Büros: Content-Marketing zur Lead-Generation im B2B“ (Kyocera)

Worum gings? Letztlich muss sich Drucker-Hersteller Kyocera beim Thema „Drucken“ die Zukunftsfrage stellen. Weniger Papier, mehr digital: So scheint die Zukunft der Arbeit in Bezug auf Dokumentenmanagement auszusehen. Kyocera richtet sich stärker auf Software-Lösungen zum Dokumentenmanagement aus und fragt sich: Wie kann man diesen Shift mit Content Marketing wirksam vorantreiben?

Kernaussagen: Kyocera startete mit Content Marketing vor etwa drei Jahren und erzählt aus der Anfahgszeit, wie unrealistisch die internen Anforderung zunächst waren. Als klassisch vertrieblerisch aufgestelltes Unternehmen, galt die direkte als die einzige Währung. Die Ernüchterung kam recht schnell: Nicht für jede Maßnahme kam direkt ein 50.000-Euro Auftrag rein.

Hier waren die Erwartungshaltungen heftig überzogen. So kam es zu quartalsweise geführten Kampagnen, die jeweils Hero, Hub- und Hygiene Content produzieren. Content Hub ist der smart.kyocera Business Blog.

Als Beispiel für Hero Content wurde der Podcast „digitalk“ genannt, der 1000 Aufrufe über alle Kanäle pro Episode erreicht (und das im B2B!)

Die Erfolge aller Content Maßnahmen insgesamt? Kyocera ist aktuell im relevant Set für „Dokumentenmanagement“ ganz oben, mit Abstand(!), obwohl der Referent zugibt, dass die Wettbewerber teilweise überlegene Leistungen haben. Die Leads sind deutlich qualifizierter, weil die Interessenten durch den Content schon viel tiefer im Thema drinstecken, sich die richtigen Fragen stellen und wirklich Teil der gewünschten Zielgruppe von Kyocera sind. Bis sich spürbar Rücklauf einstellte (mehr und bessere Leads) dauerte es allerdings auch drei harte Jahre.

Kyocera CMCX

Fazit/Session-Kritik: Für B2B kann allein die Präsenz mit Kunden-zentrierten Themen einen Unterschied machen – der dann auch vertriebsrelevant wird. Wenn ich in meiner Branche der einzige bin, der mit relevanten (käuferorientierten) Inhalten sichtbar ist, erreiche ich meine Wunschkunden eben deutlich eher im Entscheidungsprozess und vor allem bevor ihn meine Wettbewerber erreichen. Denn ob komplexe B2B-Dienstleistung oder nicht: Letztlich kaufen Menschen die Produkte, die in ihrem Umfeld bestimmte Probleme beheben wollen und Hürden überwinden müssen. Genau dort hat Kyocera sein Content Marketing als Hebel gezielt angesetzt.

„Starker Content zur Bekämpfung von Ernährungsmythen – diese KPIs kann man nach sechs Monaten erreichen“ (Royal Canin / Contilla)

Worum gings? Royal Canin (Hunde- und Katzenfutter) hatte ein schlechtes Markenimage, was im Moment der Kaufentscheidung für verlorenen Umsatz stehen kann. Um das für Royal Canin umzudrehen, wurde eine Content Strategie entwickelt, die Content reiner Werbung vorzieht. Im Mittelpunkt stand die Artikel-Plattform „Stories“. Wichtig zu wissen: Royal Canin vertreibt nicht direkt, hat also keinen eigenen Onlineshop o.ä..

Kernaussagen: Ohne offizielles Konzernbudget wurde ein „Mini-Team“ gebildet, externe Partner lieferten den Content und mit Content Bird wurde alles inhaltlich grob geplant. 80% des Budgets wurde in Distribution investiert, vorrangig Native Advertising.

  • Planung mit Content Bird
  • Engagement mit Contilla und Leadmanagement mit Microsoft Dynamics
  • 80% !!! wurde in Distribution investiert

Royal Canin CMCX

Zentral für die Maßnahme „Stories“ ist das Seeding, für das 80 % des Budgets aufgewendet wurde:

  • Viral Wonder hat eine Facebook-Whitelabel Seite getrennt von Royal Canin aufgebaut. Viralwunder pflegt Partnerschaften mit starken Publishern und können über deren Social-Kanäle starke organische Reichweiten aufbauen.
  • Content Garden platziert Inhalte basierend auf den Merkmalen der gewünschten Ziel-Personas. Vorteil ist laut Runge, dass die Persona und nicht einfach das thematisch relevante Umfeld entscheidend für die Content-Platzierung ist.
  • Zu Outbrain als Traffic-Lieferant hat Runge den Tipp, die Performance verschiedener Bild/Text-Kombination engmaschig zu analysieren und zu optimieren.

Nach 6 Monaten wurde folgendes erreicht:

  • 1 Million Nutzer, durchschnittlich 3 Minuten Verweildauer, Traffic nach eigenen Rechnungen 50 Prozent günstiger generiert als über Display Ads
  • Erfolgscontent: Umfassende Artikel + interaktive Elemente erzielten teilweise bis zu 7 Minuten Verweildauer

Weiter geht’s jetzt mit Conversion des aufgebauten Traffics: CTAs werden eingebaut, dass nach einem Quiz über Labradore dann z.B. Produktproben angefordert werden können.

Fazit/Session-Kritik: Royal Canin ist noch ohne eigenen Vertrieb, baut aber mit den Stories direkte Kontakte mit den Endkunden auf. Ziel ist einerseits die Markenbevorzugung zu verbessern, andererseits natürlich auch die langfristige Bindung an die Marke zu erreichen. Mit Longtail-Content, kleinteiligen Taktiken zur Erhöhung des Engagements (interaktive Inhalte) und massivem Seeding hat das Team von Tobias Runge einen Case aufgebaut, sich direkt in der Zielgruppe zu platzieren und ein intensives Markenerlebnis zu schaffen.

„Content-Marketing als teil der internationalen Wachstumsstrategie – mit personalisierten Inhalten neue Bedürfnisse schaffen“ (Mytheresa)

Worum gings? Das Luxussegment ist immer speziell – das merkte auch die Online-Boutique Mytheresa. Eine weitere Herausforderung ist die internationale Skalierung, da die Märkte stark variieren. Es ergibt sich die Frage: „Wie kann ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen werden und die Exklusivität durch den Content transportiert werden?“.

Kernaussagen: Zentral sind die exklusiven Kooperationen mit Designern. So kann sich der Luxus-Shop von anderen (Mehrmarken-)Händlern abheben und daraus reichweitenstarken Content generieren. Wie lassen sich solche Kooperationen anstoßen?

  1. Brand Safety, professionelle Abwicklung in allen Bereichen
  2. Eigene Abteilung für Markenkooperationen hält die Kontakte warm

Das Seeding steht über allem: eigene Kanäle, Presse, Social Ads und Performance Display. Mytheresa nutzt die komplette Klaviatur.

Fazit/Session-Kritik: Im Luxus-Segment sind riesiges Thema sind Influencer – allerdings in Deutschland noch zurückhaltend. In den USA sei es fast schon Performance, weil empfohlene Designerstücke auch direkt mehr Sales erhalten. In Asien sind die Influencer Halbgötter und für Mytheresa essentiell.

Saturn featured Stories: Vom Publisher (turn on) zum Vermarkter. Neue Geschäftsmodelle durch Content-Marketing (Saturn)

Worum gings? 5 Jahre zurück: Bei Saturn war grundsätzlich eine Positionierung nötig, da es vergleichbare Produkte (= Preiskampf) und Defizite bei der Beratung gab. Hier sollte Content die entscheidende Besserung bringen. Mit TURN ON gewährte Thorsten Eder Einblicke in eines der am häufigsten zitierten Content Marketing Cases. Grundfrage: Was bringt das Projekt tatsächlich – vor allem je länger das Projekt läuft.

Kernaussagen: Mit mehr und mehr konzerninternen Fragen, was das Projekt bringt, ist ständige Evolution nötig. TURN ON ist mittlerweile ein eigener Kosmos: Social, Website, Print, Youtube – 55 Millionen Minuten Watchtime in den letzten 365 Tagen. In Hamburg wurde extra eine Wohnung für Videodrehs gemietet.

Fazit nach 4 Jahren TURN ON:

  • 1. Jahr: Am Anfang wurde viel kopiert, es war eine regelrechte „Contentschleuder“ (= Traffic Menge vor Engagement) und das Vorhaben wurde konzernintern beargwöhnt
  • 2. Jahr: Näher an den Hauptbrand SATURN gerückt und Integration in Saturn Gesamtkommunikation
  • 3. Jahr: Publisher und Vermarkter werden: Mit „Saturn Stories“ ist heute Native Advertising für Auftragswerte ab 250.000 € verfügbar (Beispiel: Google Home Case)
  • 4. Jahr: Im Zentrum: Highlight Content, der basierend auf zahllosen Attributen gezielt produziert wird. Rückschlag: Ein Google Algorithmus Update verschlang 1 Million Besucher und das Facebook-Freunde Update (Anfang 2018) drückt die Reichweite. Fazit bei TURNON: Google/Facebook sind nicht verlässlich, künftige Strategie muss auch ohne beide auskommen. TURNON soll als Marke präsenter werden, Highlight Content ist das Mittel dafür.

Aha-Effekte: „Traffic ist am Ende scheiß-egal. Engagement ist uns wichtig.“ Auf Nachfrage wird die „Time with brand“ ist die zentrale KPI genannt. Um die Zeit zu erhöhen, die ein Nutzer mit den Inhalten verbringt, wird der Content wird nach etlichen Merkmalen und KPIs erstellt – User Engagement ist alles. Ein wichtiger Faktor bei der Content-Erstellung ist etwa, eine Meinung zu vertreten, eine Haltung zu haben. Emotionen sind ein weiterer wichtiger Faktor.

Fazit/Session-Kritik: Das war eine der besten Sessions der CMCX: Elegant präsentiert, tiefe Einblicke, viel persönliche Reflexion. Davon dürfen es gern noch 3-5 mehr sein auf der CMCX 2019!

Wie war Eure CMCX?

Was ist Euer Fazit zur CMCX 2018 und was nehmt Ihr aus den Sessions mit? Postet auch gern Euren Recap in die Kommentare!

Weitere Recaps zur CMCX 2018:

https://www.xpose360.de/precap-cmcx-2018-europas-groesstes-content-marketing-event/

https://www.fischerappelt.de/blog/cmcx-2018-recap/

Über den Autor
Profilbild des Autors
Ronny Stenzel ist Head of Content Marketing bei Clicks Online Business. Gemeinsam mit seinem Team organisiert und begleitet er den gesamten Prozess des Content-getrieben Marketings. Er trinkt Kaffee am liebsten gefiltert, lebt echten Sportsgeist und versinkt spätabends regelmäßig in seine Lieblingsfilme.
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